Das Feuer entfachen

Als ich mich in den Zeiträumen Slawjansk – Kiew – Berlin befand, hatte ich wirklich geführt, dass ich meinen Ort mitgenommen hat. Ich möchte ihn Anderen so zeigen, wie ich ihn sehe. Berlin! Gott, was für eine schöne Stadt. Ich habe das Telefon nicht aus der Hand gelassen. Bis heute schaue ich mir wieder und wieder die Fotos an. Besonders hat mich der letzte Tag beeindruckt: Das Museum und die Spaziergänge. Ich erinnere mich an den Weihnachtsbaum mit den Flaggen der Länder (zwei davon der Ukraine). Und auf dem Weg dahin konnte man Breschnew-Broschüren kaufen. Morgens stehst du auf, gehst in die Küche und fühlst Gemütlichkeit: Georg Genoux, Nastya Tarkhanova und Yana Gumennaya machen das Frühstück und umarmen alle. Eine warme und heimische Atmosphäre. Diese Atmosphäre spürte man den ganzen Zeitraum des Projektes. Mir gefiel es, dass du diesen Menschen alles anvertrauen kannst, ohne dir dabei Sorgen zu machen. Du weißt genau, dass es zwischen euch bleiben wird. 
Mir gefiel die Unterstützung bei den Proben. Die Unterstützung von Den Gumenni und den anderen. Ich erinnere mich als ich einen Schüttelkrampf und Angst bekam. Aber sie beruhigten mich. Das war sehr angenehm.

Erst am Tag der Premiere in Berlin hatten wir wieder geprobt. Ich hatte Angst einen Fehler zu machen. Es kamen die ersten Zuschauer und lächelten nett. Ich atmete aus und beruhigte mich. Die Vorstellung war für mich sehr emotional. Obwohl ich sie schon so oft gehört hatte, beeindruckte mich sehr die Geschichte von der gestorbenen Großmutter und dem Fernsehkanal „Inter“. 

Die Tränen ergossen sich im Hagel. Ich konnte sie nicht aufhalten, so wie ich den Kugelhagel 2014 nicht aufhalten  konnte. 

Nach der Vorstellung brauchte ich viel Zeit um mich zu beruhigen und dachte über das Projekt nach. Dieses Projekt, diese Menschen, diese Atmosphäre – das ist wie ein Feuer. Wir zünden es selbst an, unterstützen einander, wir achten aufeinander und helfen uns dadurch weiter für dieses Projekt zu brennen. Und wenn wir uns aufgewärmt haben, löschen wir das Feuer wieder. Es wird dunkel, wie bei dem Ende einer Theatervorführung. Wir gehen wieder weg, so wie die Zuschauer den Saal verlassen hatten. Und wir sind diesem Feuer dankbar, dass es uns geholfen hatte, seine Wärme so reichhaltig in uns aufzunehmen.

(Maria Zapenko. 10 Klasse, Schule Nr.3 in Nikolajewka) 

Das Titelbild zeigt durch die Fenster des Literarischen Colloquium Berlin den Wannsee. Dazwischen ist eine Projektion  des Elektrizitätswerkes in Nikolajewka zu sehen. Foto: Anastasia Tarkhanova.