Die Stadt, die es nicht gibt 

Gedanken und Eindrücke von teilnehmenden Schülern aus drei Städten im Donbass: Nikolajewka, Popasna und Bachmut. Fotoreportage von Stas Yurchenko.

Viola Storozhenko, 15 Jahre. Popasna.

Die Stadt, die es nicht gibt…Dieses finale Lied unserer Vorstellung weckt in mir viele Gefühle und Emotionen.Sobald ich es höre, schreite ich sofort viel langsamer und gehe in meinem Kopf noch einmal alles durch, was alles mit mir geschehen ist. So kann ich bis heute kaum die Tränen aufhalten, so sehr sehne ich mich nach dem Erlebten.
Eigentlich mit viel Wärme in der Seele, aber trotzdem ist es, als würden Tränen vom Himmel fallen.
“Dort brennt ein Feuer für mich..”  Mit diesem Lied beginnen unsere Bewegungen im Finale der Vorstellung, das alle am meisten in Erinnerung haben.
“…Wie ein ewiges Zeichen, vergessener Wahrheiten…”Im Kopf ist eine Katastrophe, ich sehe nichts, aber es fühlt sich so gut an.
“…Ich brauche einen letzten Schritt zu ihm..”Es stehen tatsächlich jetzt die letzten Schritte der Vorstellung an, aber sehr deutlich möchte ich nicht, das alles aufhört.
“..Und dieser Schritt, länger als das Leben…” und jetzt sehe ich Den Gummenii. Ich schaue auf ihn und warte auf ein Zeichen von ihm. Alles ist heute zu Ende.
Und danach verstehe ich, dass ich jetzt bin und dass das damals war. 

Diana Ryndia, 15 Jahre.  Popasna

“Es gibt Menschen, die, obwohl sie tausende Kilometer von dir entfernt sind, dich glücklicher machen können, als Menschen , die in deiner Nähe sind”.Der Probenprozess erschien mir zuerst ganz leicht. Aber mit der Zeit wurde alles schwerer und schwerer. Dafür gab es in unserer Gruppe keine Konflikte und keine Missverständnisse. Es gab welche, die vorher nicht miteinander sprachen, was sich später in das genaue Gegenteil verwandelte. Dieses Projekt hat uns einander sehr nah gebracht.
Es gab viele großartige Momente, die man gar nicht aufzählen kann. Und jede Vorstellung war für mich etwas Neues. Jede Stadt hat seine Mentalität, seine Regeln, seine Werte. Und jetzt auch ein Stück von uns. Um es genauer zu sagen: Ein Stück unserer großen Familie “Die Stadt zum Mitnehmen”.

Alexandra Maslova. 14 Jahre. Popasna

Die Menschen und diese Theatervorstellung wurden für mich, wie eine kleine, aber sehr herzliche Familie. In gewisser Weise habe ich sogar meine Meinung über viele Menschen geändert. Ich fühlte eine große Verantwortung dies alles sehr ernst zu nehmen.An was ich mich am meisten erinnern kann? An alles, denn alles war neu für mich.
Die ersten Tage, als ich in den Übungsraum gegangen bin, habe ich nicht verstanden, was wir hier tun. Mich nervte sogar, dass wir so oft hin und hergegangen waren. Das ist eine Mischung aus seltsamen Emotionen: Auf eine gewisse Weise hast du Angst, weil es neu ist, auf der anderen Seite verstehst du, dass es total klasse ist.

Egor Makarenko. 16 Jahre. Popasna.

Ich nahm an diesem Projekt teil, weil ich etwas in mir verbessern wollte: Meine Wahrnehmung meiner Stadt. Weil vor den Beginn dieses Projekt konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass ich so viel Neues über meine Stadt erfahren könnte. Jetzt hat dieses Projekt meinen Blick auf Städte wie Popasna erweitert. Sie sind sich alle sehr ähnlich und sie haben jetzt eine gemeinsame Geschichte: Der Beginn des Krieges im Donbass.
Alle wir Kinder, die auf der Bühne sind, sind Kinder, die mit diesen Schüssen und Morden verbunden sind. Und dieses Projekt hilft uns, wenn wir nicht darüber sprechen können und dieses sogar physisch nicht über uns bringen.

Diana Ryndia, 15 Jahre.  Popasna.

In Nikolaewka hat mir Folgendes am meisten gefallen: Da war eine besonders warmherzige Atmosphäre. Wir alle waren so besonders ehrlich miteinander, wie man es kaum beschreiben kann.
Ich kann auch viel über Kiew sagen. Besonders im PostPlay Theater erlebten wir große Emotionen und Eindrücke. Jetzt ist das PostPlay Theater für mich, wie ein zweites Zuhause, wo es meine liebste Heizung gibt.

Katya Zhukova, 14 Jahre. Bachmut.

Dieses Projekt hat mich am Anfang sehr misstrauisch gemacht. Keine sagte uns zu Anfang, was das Resultat sein würde, was wir zu tun hätten und was von uns erwartet wird. Denn genau das sind wir von unserer Schule gewöhnt. Es genau so zu machen, wie es dir Lehrer von uns fordern. Aber diese Erwachsenen, die hier zu uns kamen, waren anders. Sie verbesserten uns nicht, bewerteten uns nicht, sondern ließen uns einfach sprechen. Alles, was wir sagten, fanden sie gut.

Am Anfang schien, dass eine leichte Aufgabe sei: Über sich und seine Stadt zu sprechen. Aber in der Realität verstehst du dann, das dies sehr schwer ist. Es ist nicht einfach vor Allen über sich selbst zu sprechen, wenn du nicht weißt, was weiter geschieht.

Es war großartig sich jeden Morgen in der Bibliothek zu versammeln, über sich zu sprechen und den Anderen anzuhören.

Dima Hutsal. 15 Jahre. Bachmut. 

In den Herzen der Einwohner von Bachmut klingt unsere Stadt verschieden. Mich erinnert Bachmut an die Sonate von Chopin, die ich während der Aufführung spielte. Diese Musik wird in vielen Ländern als Begräbnis – Musik verwendet. Und in unserem Bewusstsein ist sie mit schlimmen Verlusten verbunden.

Das Hauptthema dieser Sonate ist voll von Schmerz und Leiden. Aber in der Mitte taucht plötzlich eine Melodie mit ganz anderen Charakter auf: Hell und tröstend. Genau so sehe ich Bachmut. Das Hauptthema Schmerz verschwindet langsam und es beginnt das nächste, helle Thema.

Elnara Abbasova. 14 Jahre. Popasna.

Es war schwer, aber sehr interessant und hilfreich. Es war, als ob ich plötzlich in einer ganz anderen Welt war, in der alles möglich, durchsichtig und abwechslungsreich war. Das sind nicht ausdrückbare Gefühle während des Kontaktes mit der Welt, wenn alles einfach und schön ist.

Maria Nikolajewa. 15 Jahre. Nikolajewka. 

Um die Welt um sich herum fühlen zu lernen, muss man zuerst lernen sich selbst zu fühlen. Dieses Projekt ist eine großartige Möglichkeit für uns, sich von der gewohnten, alltäglichen Hektik abzulenken. Um sich zu erinnern, was es zu fühlen heißt, den Raum und die Zeit wirklich zu empfinden. Sich selbst und andere Menschen zu empfinden. 
Großartig, dass wir Jugendliche aus diesen winzig kleinen Städten endlich zeigen können, wer wir sind. Wofür wir leben, worüber wir nachdenken und wovon wir träumen.

Maria Nikolajewa. 15 Jahre. Nikolajewka.

Donbass ist nicht nur einfach ein Kriegsgebiet. Sondern eine wunderschöne Landschaft in der wunderbare Menschen leben. Nikolajewka, Popasna und Bachmut, die so verschiedene und jeder auf seine Weise ungewöhnliche Städte sind, haben sich hier für ein Ziel miteinander verbunden.
Unsere Theatervorstellung handelte von uns, anstatt von Sehenswürdigkeiten und trockenen Fakten. Wir haben den Zuschauern unsere Geschichten nicht übertrieben, sondern ehrlich und wahr gezeigt.
Das ist unsere Art und Weise der Erwachsenen Welt unserer Seelen zu zeigen.