Lugansk ist das Terra incognita der Ukraine

Die Theaterinszenierung “Die Stadt zum Mitnehmen” des ukrainischen PostPlay Theaters und Regisseur Georg Genoux.

Die Autoren und Darsteller der Vorstellung sind Schüler aus drei Städten in den Kriegsgebieten der Ukraine: Popasna, Bachmut und Nikolajewka. Es ist eine eigenartige Beichte ihrer Liebe zu und ihres Hasses auf ihre Heimatstädte. In einer Theaterform erzählen sie über ihre Heimatstädte, über ihre Erfahrungen, ihre Gefühle und ihr Erwachsenwerden, das plötzlich im Krieg geschehen musste. Die Städte dieser Kinder wurde beschossen. Die Einwohner sind aus ihnen geflohen oder blieben dort und versteckten sich in den Kellern. Die Schulen verwandelten sich vor den Augen der Kinder in Ruinen.

Wenn du die Gedanken dieser Kinder hörst, dann erlebst du sie gemeinsam mit ihnen und erinnerst dich an deine eigene Kindheit.

Wie unterscheiden sich diese Jugendlichen von denen, die man auf den Straßen von Berlin trifft? Äußerlich wahrscheinlich gar nicht, aber im Inneren….

Ich denke, das war ein sehr schwerer, aber großartiger Versuch des Regisseurs das deutsche Publikum zu erreichen. Besonders das junge Publikum zu erreichen, von denen es nicht wenige im Publikum gab.

Während der Inszenierung habe ich fast jede gehörte Geschichte aufgeschrieben. Hier einige Zitate:

“Während die Stadt schwer beschossen wurde, brachten mich meine Eltern zu Verwandten in ein friedliches Gebiet. Als ich wieder nach Hause kam, schämte ich mich vor den Anderen. Sie hatten das alles durchgemacht, ich aber nicht.“

“Lugansk ist das Terra incognita der Ukraine.“

“Eine Stadt ist in erster Linie die Menschen, die in ihr wohnen“

Dieses Theater hat einen absolut therapeutischen Effekt. Für alle. Für die Darsteller und für die Zuschauer.

(Anastasia Magazova in ihrem Telegramm Kanal „Берлін на дроті“ über das Gastspiel der Inszenierung „Die Stadt zum Mitnehmen“ am Literarischen Colloquium Berlin 09. Dezember 2019)